Stimmliche Strahlkraft
Das "ensemble b-a-c-h stuttgart" in der Pauluskirche
Die Kantaten um die Geburt Christi aus Bachs Oratorium, wie vorgetragen vom Ensemble b-a-c-h , gehören zur schönsten Festzeit des
Kirchenjahres.
OLAF GÖÖCK
Bei dem von der Aktion 100.000 und Ulmer helft veranstalteten Gastspiel des Stuttgarter Ensembles b-a-c-h war von Bachs Parodieverfahren nichts zu spüren. Es ist fast
ein Wunder, dass es nirgends eine Diskrepanz von Musik und Text gibt. Weihnachtsstimmung prägt den liturgischen Kantatenzyklus, der in Kirche und Konzert seinen festen Platz hat. In der Pauluskirche waren die Kantaten eins, drei, fünf und sechs zu hören.
Das 2007 gegründete Ensemble aus jungen, solistisch ausgebildeten Sängerinnen und Sängern sowie Instrumentalmusikern unter der Leitung von Monica Meira Vasques spielte eine aufführungstechnisch
reduzierte Fassung. Sie sollte „die filigrane Kompositionstechnik der Werke Bachs hörbar“ machen.
Nun dürfte es ja wohl eine Selbstverständlichkeit sein, dass ein Bach-Ensemble die polyphonen Strukturen dieser Musik transparent macht. Und so selbstverständlich war die Aufführungsrealität: Das
Ensemble spielte einen jugendlichen, schlanken Bach, transparent im besten Sinne des Wortes, glänzend in den Chören und mit beachtlichen emotionalen und
stimmlichen Qualitäten in den Solopartien.
Den höchsten Aufmerksamsgrad beanspruchte der nur zehnköpfige Chor, der die technischen Klippen der Partitur souverän bewältigte und erstaunliche stimmliche Strahlkraft entwickelte. Der
Einleitungschor der fünften Kantate, „Ehre sei dir, Gott“, war ein Bravourstück, zumal auch das kleine Orchester durchaus überzeugte.
Die Soli wurden von einer ganzen Gruppe von Sängerinnen und Sängern bewältigt, die teilweise aus dem Chor kamen, aber auch als „echte“ Solisten fungierten. Hier ist in
erster Linie Alexander Illi zu nennen, der einen überzeugenden Evangelisten abgab. Monica Meira Vasques führte die Aufführung souverän und sichtlich engagiert.
Die Fröhlichkeit, die im strahlenden Eingangschor ihren Anfang hat, die tiefempfundenen Arien und die Choräle, mündeten in der bewegenden Choralfantasie der sechsten Kantate, in der der Kreuzestod
Christi angekündigt wird. Bevor es langen Beifall gab, verharrten die Zuhörer in tiefem Schweigen.
ABOUL-KHEIR_M
Quelle:
Verlag: SÜDWEST PRESSE, Ulm
Publikation: SÜDWEST
PRESSE - Schwäbische Donauzeitung, Laichingen
Ausgabe: Nr.4
Datum: Mittwoch, den 07. Januar 2009
Seite:
Nr.24
"Deep-Link"-Referenznummer: '6299816'
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